Minitrainer Marius Huth: Entwicklung der Spielfähigkeit Modul I / kleine Spiele

Entwicklung der Spielfähigkeit Modul I / kleine Spiele

Tiefere Körbe:
Mini-Kinder sollten nicht auf die normale Korbhöhe spielen.
Die Faszination Basketball macht das Treffen des Korbes aus. Gerade unsere jüngsten haben bei
3,05 Körbe doch erhebliche Probleme in Spielen mit Gegenspielern zum Korberfolg zu kommen.
Tiefere Körbe geben den Spielern mehr Möglichkeiten erfolgreich zu sein.
Kinder unter 12 Jahren sollten auf Körbe der Höhe 2,60 Meter spielen.
Kinder unter 9 sollten auf Körbe der Höhe 2,05 spielen. (www.minibasket.de)

Einordnung der Fortbildung:

Das Thema Spielfähigkeit wurde bereits im September in Berlin behandelt. Der Teil in Berlin war
quasi Teil 2, hier in Gotha wird Teil 1 behandelt.

Was ist eigentlich Spielfähigkeit?

Die Fähigkeit, in veränderten, unvorhergesehenen Situationen richtige Entscheidungen schnell zu treffen, spieltaktisch zweckmäßig Lösungen zu finden: Döbler (1964)

Sportliche Spieltätigkeit

Vielseitige und komplexe Erscheinung, deren Qualität von zahlreichen Leistungsfaktoren bestimmt wird. Aus psychologische r Sicht ist sie als Einheit motivationaler, volitiver, emotionaler und
kognitiver Prozesse anzusehen, die ihren Ausdruck in der sportspielspez ifischen Motorik
findet. Charakteristisch für sie ist das mehrfache Bezugssystem –
Mitspieler, Gegner, Ball, Zielraum –, in dem sich der Spieler befindet und
mit dem er sich ständig aktiv auseinandersetzen muss Konzag & Konzag (1980)

Allgemeine und Spezielle Spielfähigkeit

Die Fähigkeit, ein Spiel in Gang zu setzen, es in seinem Verlauf zu sichern und bei Störungen wiederherzustellen. Das Vorhandensein von Kenntnissen über Spielidee und Spielregeln,
der notwendigen Fertigkeiten im Umgang mit dem Spielgerät und der
taktischen Erfahrungen in wichtigen Spielsituationen  Dietrich(1984)

Spieltätigkeit

Zielgerichtete bewusste taktische Handlungen. Die taktischen Kenntnisse sind Grundlage für die Wahrnehmung und Analyse der Spielsituation und für die Spielleistung Herzog (1986)

Spielfähigkeit

Die komplexe Fähigkeit, die verschiedenen und ständig wechselnden Spielsituationen auch bei gegnerischer Einwirkung lösen zu können Stiehler,Konzag & Döbler (1988)

Spielfähigkeit

Komplex sportspielbezogener spezifischer Leistungsvoraussetzugen und eine Form der individuellen Handlungsfähigkeit entsprechend den variablen Wettspielbedingungen Schnabel & Thiess (1993)

Spielfähigkeit

Die Fähigkeit, aktiv und erfolgreich an einem Sportspiel als Mit-und Gegenspieler teilzunehmen, indem man spieltypische Situationen und Spielvorgänge im Rahmen der Regeln technisch und spieltaktisch,
individuell oder in Kooperation mit anderen bewältigt, sie emotional erlebt und mitgestaltet König (1997)

Wir haben für uns unsere eigene Definition erstellt, um das Thema für uns greifbar zu machen:

Definition der Spielfähigkeit:

Spielfähigkeit ist die Fähigkeit, ein Spiel zu initiieren, aufrecht zu erhalten und zum Abschluss zu bringen. Voraussetzun g ist es die Regeln zu verstehen und sich diesen zu unterwerfen, sowie die Spielidee zu verstehen.

Spezieller

: Als Spielfähigkeit wird die individuelle Handlung sfähigkeit definiert. Sie umfasst den situationsgerechten Einsatz von angemessenen Techni ken in sich ständig verändernden
Spielsituationen; es ist also die Fähigkeit, die es den Spielern erlaubt, das Spiel zu lesen und darau
s in jedem Moment Entscheidungen für sein eigenes Verhalten im Teamgefüge ableiten zu können.
Wie einzelne Spieler sich auf dem Basketballfeld verhalten, ist abhängig von dem Verhalten aller
Mit- und Gegenspieler. Als Ausgangspunkt für die Betrachtung der Spielfähigkeit soll eine statische
Situation angesehen werden, in der sich genau diese Mit- und Gegenspieler neutralisieren
(Verteidiger schützen den Korb vor den Angreifern und lassen keinen freien Wurf zu). Die
Spielfähigkeit gibt den Angreifern jetzt Mittel an die Hand, einen Wurf mit hoher Erfolgschance
herauszuspielen, den Verteidigern wiederum die Möglichkeit, dies zu verhindern. Wir wollen hier
nur auf die Fähigkeiten der Angreifer eingehen, sich gute Würfe zu erarbeiten. Dabei unterscheiden
wir wieder zwischen dem Entstehen oder Kreieren von Angriffssituationen und deren Lösungen. Wir
beschäftigen uns im folgenden mit dem Kreieren von Angriffssituationen.

Teil 1: Nutzen kleiner Spiele zur Vermittlung von o ffensiven Grundtechniken

Um dem großen Spieldrang im Kindesalter gerecht zu werden, ist es sinnvoll zum Erlernen und
Festigen von Grundtechniken im Mini-Alter viele kleine Spiele zu nutzen. Zur Wahrung des
technischen Leitbildes ist es trotzdem notwendig und sinnvoll Drills einzusetzen. Die Drills dienen zur Vermittlung der korrekten Technik, die dort dann ohne Gegner- oder Zeitdruck angewendet werden
kann. Im Idealfall baut der Trainer immer ein Sandwich aus Spiel -> Technik – Drill -> Spiel. Innerhalb der Spiele empfiehlt es sich die Regeln zu ändern, um bestimmte Handlungen bewusst zu
provozieren, um die Chance auf Erfolgserlebnisse zu erhöhen, oder um einfach nur neue Reize zu
setzen.
Folgende Dinge kann der Trainer innerhalb eines Spieles verändern:

Spielfeldgröße
z.B. Spielfeld vergrößern / verkleinern, Spielfeld teilen
Spieleranzahl
z.B. Spieleranzahl erhöhen / reduzieren, Joker Spieler (immer im Angriff), Spielerzahl kurzeitig
verändern
Spielregeln
z.B. Dribbeln verbieten, kein Ball aus der Hand  ziehen, Bewertung verändern, Zusatzaufgaben
geben (Linie berühren, bevor ich den Ball kriegenoder in jeder Spielfeldhälfte muss 1 Spieler sein)

Materialien
z.B. Art der Bälle verändern, Anzahl der Bälle ändern, Anzahl der Ziele ändern

Beispiel Dribbling

Balldieb


Alle Schüler sind in einem abgegrenzten Spielfeld. Ca 80% der Schüler haben einen Ball und
dribbeln. Der Rest probiert sich regelgerecht einen Ball zu „stehlen“. Wer seinen Ball verloren
hat wird selber zum Balldieb.

 

Technikteil Dribbling

Auf die technischen Details wird hier nicht eingegangen, da es dazu separate Fortbildungsteile bei
Mirko Petrick gab.

ICE AGE /(Ochsentreiben)


Alle Spieler auf der Grundlinie. Wenn der Spielleiter weg guckt, dürfen die Spieler sich bewegen, guckt er hin, müssen sie einfrieren. Wer sich noch bewegt, muss zurück. Gewonnen hat, wer zuerst einmal übers Feld ist.

Dribbelkönig

Alle Spieler dribbeln in einem abgegrenzten Spielfeld. Dabei versuchen sie den anderen Spielern den Ball rauszuschlagen. Verliert ein Spieler seinen Ball, scheidet er aus und muss in ein anderes Spielfeld (alternativ: er absolviert eine Strafe und darf zurück ins Feld). Gewonnen hat der letzte Spieler, der im Feld übrig bleibt (alternativ: der Spieler, der die wenigsten Strafen absolvieren musste)

Beispiel Passen + Fangen

Einer gegen Alle

Ein Spieler startet als Fänger, wenn der jemanden abschlägt, wird dieser zum Fänger. Die Spieler, die gefangen werden, haben einen Rettungsball, den sie sich zuspielen sollen. Wer den Ball in der Hand hat, darf nicht abgeschlagen werden.

Alle gegen Einen

Ein Spieler wird von allen anderen gefangen. Aber es darf ihn nur derjenige abschlagen, der
den Ball in der Hand hat. Mit dem Ball darf nicht gelaufen werden. Wer den Spieler abschlägt
wird anschließend selber zum gejagten.

Technikteil Passen

Wichtige technische Merkmale:
Auf die technischen Details wird hier nicht eingegangen, da es dazu separate Fortbildungsteile bei
Mirko Petrick gab.

Schweinchen in der Mitte

{Beschreibung siehe Spielfähigkeit}

10er Passen

{Beschreibung siehe Spielfähigkeit}

Beispiel Werfen

Weltreise

Rund um den Korb werden verschiedene Wurfpositionen markiert (z.B. Begrenzungen am Zonenrand). Die Spieler werfen in einer festen Reihenfolge immer nach einander auf den Korb. Trifft ein Spieler darf er zur nächsten Posit ion weitergehen, verwirft er muss er stehen bleiben. Gewonnen hat der Spieler, der zuerst von allen Positionen getroffen hat.

Jackpot

Mehrere Spieler stehen in Reihe vor einem Korb; der erste hat einen Ball und wirft. Danach sind die anderen in immer gleicher Reihenfolge dran. Die Spieler haben nun einen Ausgangswert (z.B. 7 Pu
nkte). Wenn ein Spieler trifft, so wird dieser Korb und alle weiteren direkt nacheinander getroffenen addiert. Der erste Spieler, welcher nun daneben wirft bekommt die Anzahl der unmittelbar vor ihm erfolgreichen Würfe von seinen Punkten abgezogen.Ein Spieler mit null Punkten scheidet aus.

Wurfwettbewerbe

Werfen in Mannschaften. Mehrere Mannschaften pro Korb sind möglich. Verschiedene Aufgaben im Wettbewerb gegeneinander möglich: auf Zeit („Welches Team hat zuerst 10 Treffer?“), auf Trefferquote („Welches Team trifft am meisten von 10 Versuchen?“), auf Treffer nacheinander („Wer hat zuerst 5 Treffer in Folge?“)

Teil 2: Spielreihe ohne Dribbling zum Zielspiel Basketball

Allgemeine Grundlagen

Das sehr komplexe Zielspiel Basketball reduzieren/vereinfachen

Mögliche Größen, die man reduzieren kann: Anzahl der Spieler, Komplexität der Regeln, Dribbling

Gewisse technische Grundlagen müssen gegeben sein (Dribbeln, Passen, Werfen)

Spielreihe vom Passen zum Basketball

Gassenpassen

2-0 Gassenpassen – Spieler stehen zu zweit mit eine m Ball gegenüber. Einführung/Schulung
verschiedener Grundpassarten. Schwerpunkte sind richtiges Passen und richtiges Fangen

Tigerball (Schweinchen in der Mitte) zu dritt

2 Spieler stehen sich wieder mit einem Ball gegenüber. Ein dritter Spieler steht in der Mitte und versucht den Ball abzufangen/abzufälschen. Gelingt ihm das, geht er nach außen und der Passgeber geht in die Mitte. Bogenlampen sind von Anfang an zu unterbinden.

Tigerball (Schweinchen in der Mitte) mit 5/7/9

Mit 7 Schülern: 4 Angreifer stehen an 4 vorgegebenen Punkten (Im Quadrat, Passabstand
ca. 4 Meter). 3 Spieler sind Verteidiger, einer muss immer am Ball Verteidigen, die anderen
beiden im Passweg. Die Angreifer müssen sich den Ball zupassen. Fängt ein Verteidiger den
Ball ab (später lenkt er ihn ab oder berührt er ihn), wird er Angreifer und der Passgeber muss
in die Verteidigung. Wichtig: Angreifer bleiben aufihren Stellen stehen, schlechte Pässe (2
mal am Boden, Bogenlampe, etc.) zählen wie Fehlpässe

Parteiball / 10er Passen

2 Teams spielen gegeneinander. Ziel ist es sich den Ball im Team 10-mal zuzuspielen ohne
dass der Gegner ihn abfängt/berührt. Für 10 Pässe gibt es einen Punkt, bei abgefangenen/berührten Pässen ist Angreiferwechsel.Viele Variationen möglich (z.B. mit Korbwurf, alle Pässe zählen, usw.)

Endzonenball

Beide Teams bekommen jetzt ein Ziel, zu dem sie den Ball passen müssen. Dafür wird für jede Mannschaft eine Endzone markiert (Vergleich Aufbau eines Football-Feldes). Ziel ist es den Ball in der Endzone zu fangen. Als erste Variante kann man fest einen Fänger in der Endzone platzieren, der auch nicht verteidigt werden darf. Als Weiterentwicklung kann es dann allen Angreifern und Verteidigern erlaubt werden in die Endzone zu gehen.

Mattenball

Auf beiden Seiten des Feldes liegt nahe der Grundlinie jeweils eine Matte (am besten Weichbodenmatte, alternativ Turnmatten). 2 Teams spielen gegeneinander. Ziel ist es mit dem Ball auf die gegnerische Matte zu kommen. Es da rf nicht gedribbelt werden und mit dem Ball in der Hand darf natürlich auch nicht gelaufen werden. Wichtig ist es von Anfangan auf gute Raumaufteilung zu achten.

Korbwächterball

Vor beiden Körben steht je ein Hocker auf dem ein Korbwächter steht. Ziel der Spieler ist es den Ball zu ihrem Korbwächter zu passen. Dieser darf dann ungehindert auf den Korb werfen. Dribbeln ist wieder verboten und es muss wieder die ganze Zeit auf gutes Spacing geachtet werden. Korbwächter sollten regelmäßig getauscht werden.

Brettball

2 Teams spielen gegeneinander mit dem Ziel den Ball so ans gegnerische Brett zu werfen. Später kann an das Spiel erweitern, dass der Ball auf den Boden kommen muss, nachdem er das Brett berührt hat. Fängt die gegnerische Mannschaft den Ball, bevor er auf den Boden kommt, gibt es keinen Punkt. Oder man entwickelt es zum Rebound-Ball, dass ein Spieler der eigenen Mannschaft den Ball fangen muss, nachdem er am Brett war, um einen Punkt zu erhalten. Das Dribbeln ist weiterhin untersagt.

Basketball ohne Dribbeln

„normales Basketball“ mit normalen Regeln. Die Eins chränkung ist, dass die Spieler nicht (später nur ein Mal) dribbeln dürfen.

(Basketball)

Als Zielspiel bleibt dann ein reguläres Basketballspiel mit allen Regeln